Interview mit Andreas Hugi und Ronny Kaufmann

Die beiden SPAG-Mitglieder Ronny Kaufmann und Andreas Hugi haben vor Kurzem ein Buch im Stämpfli Verlag herausgegeben unter dem Titel „Innen- und Aussenpolitik von Unternehmen: Corporate Governance und Public Affairs in der Praxis - ein Managementbuch“. Das Buch gliedert sich in mehrere thematische geordnet Teile und enthält Analysebeiträge, Fallbeispiele, Experteninterviews sowie Werkzeuge für die Praxis. Die beiden Herausgeber haben langjährige Erfahrung im Bereich Public Affairs. Andreas Hugi ist Mitinhaber einer Kommunikationsagentur, Ronny Kaufmann ist Leiter Politik und gesellschaftliche Verantwortung bei der Schweizerischen Post.

Im Folgenden antworten die beiden auf Interviewfragen der SPAG zu ihrem Buch und bieten so einen vertieften Einblick in die Entstehung und Hintergründe ihrer Publikation.

Was war die Motivation, ein solches Buch zu schreiben?
Ronny Kaufmann: Public Affairs-Management und Best Practice in Corporate Governance haben seit einigen Jahren Konjunktur. Spezielle Symposien, Diskussionsveranstaltungen und neu geschaffene Ausbildungslehrgänge sind Ausdruck eines gesteigerten Interesses. Oft betrachtet man diese Themen aber noch isoliert. Einerseits wird die Managementpraxis Public Affairs als ein eher undurchsichtiges und demokratietheoretisch diskutables Lobbying missverstanden, andererseits beschränkt sich die Debatte über eine moderne Corporate Governance auf aktienrechtliche Aspekte und reflektiert das Public Affairs-Management im Sinne einer systematischen Praxis der Unternehmensverantwortung nur unzureichend. Mit diesem Buch wollten wir deshalb Impulse für die organisatorische und institutionelle Professionalisierung der politischen und wirtschaftlichen Beziehungspflege geben.

Was ist das Ziel des Buches? Wer soll es lesen? Manager oder Berater?
Andreas Hugi: Mit dieser Publikation wollen wir das Public Affairs-Management vom Klischee des plumpen Lobbyings befreien und dank unterschiedlicher Perspektiven von Fachleuten, Praktikern und Führungskräften mit einem modernen Corporate Governance-Verständnis stimmig zusammenführen. Es richtet sich primär an Verwaltungsräte, Geschäftsführer, Kader und Kommunikationsleitende, aber auch Lobbyistinnen und Lobbyisten sollten unserer Meinung nach mit Gewinn darin lesen können.

Wie schlägt sich die Professionalisierung von Inhouse-Lobbyisten im Verhalten von Unternehmen nieder? Was hat sie für Auswirkungen auf die Beraterbranche?
Ronny Kaufmann: Die Professionalisierung schlägt sich insbesondere in der Verankerung in der Corporate Governance nieder, die das Public Affairs-Management auf Verwaltungsrats- und Geschäftsleitungsebene institutionalisiert.
Andreas Hugi: Auf Beraterseite ist zudem feststellbar, dass der Kunde immer öfter sehr klare Vorstellungen von Public Affairs-Unterstützung durch externe Berater hat. Das zwingt uns Berater zu professioneller und gut strukturierter Arbeit. Das ist auch gut so.

Warum hat sich die „Aussenpolitik der Unternehmen“ so stark gewandelt? Weshalb sind Public Affairs, CSR, Kommunikation viel wichtiger als früher?
Andreas Hugi: Wir sind überzeugt, dass der Anspruch der Öffentlichkeit an die Legitimität des unternehmerischen Handelns von Organisationen und ihren Repräsentanten steigt. Das gilt vor allem seit der Erkenntnis, dass in globalisierten Märkten und in immer komplexer werdenden Gesellschaften heutige Unternehmen in einem zunehmenden Masse systemkritisch geworden sind. Der Informationsvorsprung und die Expertise in ihrem Tätigkeitsbereich sind für politische Entscheidungen in modernen Demokratiesystemen mittlerweile unerlässlich. Das Funktionieren der fragilen Subsysteme unserer vernetzten Gesellschaften ist heute mehr denn je auf die korrekte Leistung von Unternehmen angewiesen. Ganze Volkswirtschaften und Regionen müssen heute auf ein verantwortungsvolles Handeln von Unternehmen zählen können. Das Risiko, dass nicht alle Unternehmen verlässlich sind, ruft die Politik und die Forderung nach staatlicher Regulierung auf das Parkett. Hier müssen sich Unternehmen bewähren.

Wie sehen Sie die Beziehung zwischen Unternehmen, Politik und Verwaltung? Wo gibt es Schwierigkeiten, was kann wie verbessert werden?
Ronny Kaufmann: Die Verwaltung ist seit Beginn des 20. Jahrhunderts nicht mehr nur eine Eingriffsverwaltung, sondern eine Leistungsverwaltung, die sich mit Aufgaben der Daseinsvorsorge befasst. Die Verwaltung spielt im Diskurs um Marktrahmenbedingungen eine wichtige Rolle.
Aus unternehmerischer Sicht ist es deshalb unerlässlich, den kontinuierlichen Dialog mit der Verwaltung inhaltlich, organisatorisch und prozessual so zu organisieren, dass für die Unternehmensleitung jederzeit Transparenz über die Absichten der Verwaltung besteht.

Wie sind Sie bei der Auswahl der Interviewpartner für den dritten aus Gesprächen bestehenden Teil des Buches vorgegangen? Welche Aussagen haben Sie überrascht?
Andreas Hugi: Wir haben uns gefragt, welche Unternehmen bzw. Organisationen in diesem Themenfeld eine interessante Unternehmenspraxis haben. Wir wollten Führungspersönlichkeiten eines internationalen Konzerns genauso zu Wort kommen lassen wie die Leitung eines öffentlichen Dienstleistungsunternehmens oder eines Familienunternehmens. Uns war es zudem wichtig, dass wir auch akademischen Organisationen wie z.B. der EPFL Raum in dieser Publikation geben können.
Ronny Kaufmann: Ich war positiv überrascht von der Tatsache, dass die Führungspersönlichkeiten unsere Publikationsthese „Public Affairs und Corporate Governance als zwei Seiten einer Medaille“ so einheitlich unterstützten.
Andreas Hugi: Zudem hat uns beeindruckt, wie viele Unternehmen sehr sorgsam abwägen, in welchen Gremien sie welche Vorgaben zur politischen Interessenvertretung machen und dass die strategische Leitung (also z.B. der Verwaltungsrat) hier eine wichtige Rolle spielt.    

Was haben Sie selbst aus diesen Interviews, diesem Austausch mit Führungskräften grosser Schweizer Unternehmen, gelernt?
Ronny Kaufmann: Ich habe gelernt, dass sich die aktuelle Governance der Schweizerischen Post oder der Swisscom von der Governance der EPFL oder derjenigen der IBM unterscheiden. Diese Unterschiede zeigen sich auch in der Art und Weise des Public Affairs Managements. Insofern ist es richtig, dass man diese zwei Seiten derselben Medaille als Innen-und Aussenpolitik versteht. Dieses Verständnis wird zwingend zu einer weiteren Professionalisierung der Public Affairs Branche beitragen.
Andreas Hugi: Beeindruckend fand ich, dass sowohl in der internationalen IBM als auch beim Familienunternehmen LOEB Politik unverzichtbare Chefsache ist. Dort ist sie auch am richtigen Ort angesiedelt: Die aussenpolitische Aktivität einer Firma ist eine unverzichtbare Tätigkeit der Unternehmensführung.

 

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Publikationsdatum: 
23. Mai 2014